Wie finde ich das richtige Studium?

Der Bürojob, den du nur durch Vitamin B erhalten hast, ist eigentlich viel zu langweilig und überhaupt nicht das, was du eigentlich wolltest. Nach deiner Matura hat es dich mit dem Kopf voller Träume in die weite Welt (aka Australien) verschlagen. Jetzt sitzt du hier und fragst Google, ob die Suchmaschine deines Vertrauens dir diese schwierige Frage mit einem Klick beantworten kann. Eigentlich interessiert dich so viel und doch irgendwie gar nichts. Du wolltest Künstler sein, deine technische Affinität in der IT ausleben und, wenn du so darüber nachdenkst, wolltest du doch eigentlich Psychologe werden.
Eine Entscheidung zu treffen, kann herausfordernd sein und leider gibt es kein Rezept, wie man sich die Lösung einfach herbeizaubern kann. Was ich dir jedoch bieten kann, ist mein Erfahrungsbericht und ein paar Ratschläge.
Die folgenden Punkte und Fragen haben mir geholfen, meine Antwort zu finden:

Was sind meine Träume und Wünsche und lassen sich diese realisieren?

Mein Kindheitstraum war es, Primarlehrerin zu werden. Leider musste ich später feststellen, dass der Traum zwar immer noch präsent ist, aber ich mich noch nicht dazu bereit fühle, Verantwortung für eine Klasse mit 7-jähriger Knirpsen zu übernehmen. Der Wunsch zu Unterrichten habe ich jedoch nicht einfach komplett begraben, sondern ich informierte mich trotzdem über das Studium an der PH Zürich. Dabei ist mir aufgefallen, dass es viel einfacher wäre, ein Lehrdiplom zu bekommen, wenn man bereits einen Bachelorabschluss hat. Das war für mich der Wendepunkt.

Die Frage war also eher einfach zu beantworten. Ja, ich habe Wünsche und die liessen sich auch realisieren. Doch habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Dies hatte zum Vorteil, dass mir nun die ganze Palette an Studiengängen zur Auswahl stand. Der Nachteil formte sich aus der nächsten Frage:

Wie bekomme ich einen Überblick über für mich geeignete Studiengänge?

Um einen Überblick zu bekommen solltest du dir über zwei Punkte im Klaren sein:

1. Sei dir bewusst, welche Schulen und Studienrichtungen du besuchen kannst aufgrund deiner Vorbildung

Zu diesem Thema kann ich nur vage und allgemein gültige Aussagen treffen, da sich jeder Kanton, jedes Land und jede Schule in den gestellten Anforderungen unterscheiden.

Wenn du eine gymnasiale Maturitätsschule absolviert hast, stehen dir grundsätzlich alle Studiengänge der anerkannten Universitäten offen. Es gibt wenige Ausnahmen, wie beispielsweise das Medizinstudium, bei welchen eine Numerus Clausus überstanden werden muss. Wenn ein Gymiabsolvent eine Ausbildung an einer Fachhochschule absolvieren möchte, muss oftmals ein sechs monatiges Praktikum im gleichen oder ähnlichen Berufsfeld absolviert werden.

Berufsmaturitäten werden in verschiedenen Fachrichtungen abgeschlossen. Mit einer Berufsmaturität kannst du dich ohne Weiteres für ein Studium an einer Fachhochschule eintragen, solange die Fachrichtungen des Studiums und der Berufsmaturität harmonieren.
Als Beispiel: Wenn du eine Berufsmatura mit Ausrichtung Technik abgeschossen hast, kannst du dich ohne weiteres in ein Architekturstudium einer Fachhochschule eintragen lassen.
Falls das bei dir jedoch der Fall sein sollte, dass deine Fachrichtung nicht mit den Anforderungen übereinstimmen, rate ich dir einen Termin in der nächstgelegenen Berufsberatungsstelle zu vereinbaren. Vielleicht gibt es einen Weg, eine andere Maturaausrichtung abzuschliessen ohne die ganze Passerelle zu machen. Diese ist nämlich nur notwendig, wenn du dich für ein Uni-Studium interessierst, aber nur eine Berufsmaturität hast.

2. Kenn deine ungefähren Interessen und Vorlieben

Einfacher gesagt als getan. Man meint zu wissen, was man mag aber plötzlich kommt es ganz anders als man denkt. Ich habe mich stundenlang wahllos durch Fachhochschulwebseiten geklickt und einfach nichts gefunden, was mich ansprach. Auf der Berufsberatungswebseite hat man zwar einen guten Überblick aber das hilft auch nur bedingt weiter.

Während meiner Recherche bin ich auf das Quiz der Fachhochschule Nord-Westschweiz gestossen (das Quiz ist auf die Schweiz angepasst, zur deutschen Version geht es hier lang), was dir anzeigen soll, welche Studienfächer und Berufe am Besten zu dir passen. Aus lauter Verzweiflung habe ich mich durch die gefühlt 200 Fragen durchgeklickt.
Das Ergebnis war auf den ersten Blick nichts Neues: Ich wusste bereits, dass meine Hauptinteressen in den Bereichen Psychologie, Pädagogik und Mathematik bewegen. Der vierte Punkt liess mich dann aber doch stutzen.
„Information“ – Schön und gut, aber… Was kann ich darunter verstehen?

Wie treffe ich eine Auswahl?

Wenn du deine Interessen ungefähr kennst, kannst du immerhin mittels Ausschlussverfahren, für dich irrelevante Studienrichtungen identifizieren. Verschaff dir einen Überblick über die noch übrigen Felder. Welche sprechen dich an und warum? Lass dich auf Studiengänge ein, von denen du keine Ahnung hast, was sie eigentlich genau bezwecken wollen. Vielleicht entdeckst du einen geheimen Schatz unter den tausenden Möglichkeiten.

Bei weiterer Recherche zur Studienrichtung Information ist mir der Studiengang Informationswissenschaft aufgefallen. Ich hatte keinen blassen Schimmer was man danach mit diesem Studium anstellen kann.

An diesem Punkt wird es wichtig nach Events Ausschau zu halten, an welchen die Studiengänge genauer vorgestellt werden. Die Berufsmesse kann sowohl als Inspirations- als auch Informationsquelle dienen. Mir haben vor allem die Informationsveranstaltungen der Fachhochschulen geholfen. Dort wird man direkt mit genügend Dokumenten zum Studium eingedeckt. Es werden Vorträge gehalten oder auch, wie bei einer Messe, Stände aufgestellt, an denen Studierende ihren Studiengang vorstellen und dir bei deiner Auswahl und deinen Fragen helfen können. An den Veranstaltungen wirst du direkt merken, ob diese Studiengänge dein Interesse wecken und ob du dir vorstellen könntest, an dieser Hochschule zu studieren.

Nach der Informationsveranstaltung der FHGR wurde uns gut erklärt was die Chancen und Risiken dieses Studiums sind, wie die Jobchancen stehen, in welche Richtungen die Jobs gehen können und welches Wissen sie mit welchen Mitteln übermitteln möchten.

Wie entscheide ich mich?

Lass dir Zeit. Viel Zeit. Es ist keine einfache Entscheidung, schliesslich wirst du danach mindestens drei Jahre mit dieser Entscheidung leben müssen (sofern du das Studium durchziehst). Im besten Fall ist es eine Entscheidung für deinen ganzen restlichen beruflichen Werdegang.

An dieser Stelle setzt ein grosses ABER ein:
Keine Entscheidung ist in Stein gemeisselt. Auch wenn du dich für einen Studiengang entscheidest, anfängst zu studieren und merkst, dass es nicht das Richtige ist – dadurch geht die Welt nicht unter. Es gibt genug Studierende (Grüsse an Jonas) die mehrmals den Studiengang wechseln bis sie dann schlussendlich das finden, was sie erfüllt.

Schaff dir Entscheidungshilfen, Pro-Contra-Listen zum Beispiel, die dich bei der Qual der Wahl unterstützen. Frag deine Familie und Freunde um Rat, nimm sie auf Veranstaltungen mit, sprich mit ihnen über deine engere Auswahl und geh die einzelnen Möglichkeiten immer wieder durch.

Klar studieren wir, um Wissen zu erlangen aber am Ende des Tages studieren wir, um später den Beruf zu haben, den wir nicht nur des Geldes wegen ausüben.

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